Die Rezensionen

Mein familäres Umfeld wurde seit meiner frühesten Kindheit von Musik geprägt. Mein Vater war ein Klarinettist beim Theater, meine Mutter gab viele Konzerte als ausgebildete Konzertpianistin. Ich war als kleiner Junge viel im Hause meines Großvaters, der in meiner Heimatstadt Werl mehrere Jahrzehnte als städtischer Musikdirektor, Dirigent und Musiklehrer das kulturelle Leben mitgestaltete. Ich war eigentlich ständig von Klaviermusik umgeben. Ich kann mich erinnern, dass ich oft abends im Bett lag, und meine Mutter nebenan zum x-ten Male die schwierige Revolutionsetüde op. 10 von Chopin spielte, und dann öfter an einer bestimmtem Stelle hängen blieb.

Mit 15 hörte ich zum ersten Male George Shearings "Lullaby Of Birdland" gesungen von Ella Fitzgerald. Ihre unglaublich variable, dynamische, und warme   Stimme begleitete fortan mein Leben und prägte meinen Musikgeschmack. Viele große Stimmen des Jazz die ich lieben lernte, kamen später hinzu - aber Ella Fitzgerald blieb für mich die "Urmutter" - und Lehrmeisterin in Sachen Gesang. Als großer musikalischer Gegenpol fasziniert und begeistert mich aber auch die Stimme von Barbra Streisand bereits seit  fünf Jahrzehnten. Ella Fitzgerald starb 1996 - aber in ihrer Musik lebt sie weiter -  und Streisand singt noch immer.  2009  und 2014 erreichte die inzwischen über 70jährige Künstlerin sogar wiederholt  die US-Charts mit  Nummer 1 Alben, was natürlich kein Kriterium für Qualität sein muss. Ein #1 Album davon (" Love Is The Answer" - produziert mit Diana Krall) kann man jedoch getrost als eines der besten ihrer gesamten Karriere  bezeichnen. 

Dieter Barteztko (*1949 - t 2015) schrieb in der FAZ über dieses Album eine wahre Lobeshymne mit dem Titel: "Hörst du die Monde schneller werden"? http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/pop/barbra-streisands-neues-album-...

Wenn ein Künster sich seit  über fünzig Jahren so halten kann wie eine Streisand, für deren Konzerte auch in jüngster Zeit die absolut höchsten Tickepreise bezahlt werden, dann hat das wohl auch mit Können, Qualität und Überzeugungskraft zu tun.  

Fitzgerald und Streisand - beide Sängerinnen sind in ihrem musikalischem Genre, ihrer qualitativen Könnerschaft meiner Meinung nach bisher unerreichte Originale und ihr Legendenstatus ist mehr als berechtigt. Im Gegensatz zu Fitzgerald  polarisiert Streisand stark - aber ich halte ihren Kritikern entgegen, dass für mich die wertschätzenden Statements zu Streisand  von anderen Künstlern wie Leonard Bernstein, Glenn Gould oder Ray Charles eine  überzeugendere Relevanz haben.

Ray Charles  drückt es so aus: "She is the greatest living white female singer today. She doesn't just sing notes, but sings feeling. ....Her voice matches her personality. - she is so beautiful"  (Zitat aus Konzertprogramm "Streisand Timeless" - 2000). Leonard Feather, einer der größten Jazzjournalisten und Jazzhistoriker,  beschrieb bereits 1964  über Streisand's Art des Singens.... that the best compliment he could pay Streisand was to say, "that she sounds like a combination of Barbra Streisand, Barbra Streisand and Barbra Streisand.".. Dieses clevere Statement sagt  zumindest aus, dass Streisand künstlerisch gesehen ein absolutes  Original ist.

Wenn man sich meine Rezensionen ansieht, sieht man sehr schnell, dass ich fast ausschließlich über Vokalisten schreibe - obgleich ich natürlich auch die Instrumentalmusik (besonders den Jazz) sehr liebe. Aber ich kann nicht darüber schreiben. Der Klang der menschlichen Stimme, die Vibration, die Phrasierung und Farbe, da offenbart sich für mich die menschliche Seele am ehesten.

Shakespeare schrieb in einem seiner Dramen:
DER MUSIKALISCHE TON HAT EINEN DIREKTEN ZUGANG ZUR SEELE - ER FINDET DA SOFORT EINEN WIDERKLANG, DA DER MENSCH DIE MUSIK HAT IN SICH SELBST.

Meine Musikrezensionen sind bewußt subjektiv, und auch sehr gefühlsbetont - ich bin nicht neutral und will es auch nicht sein, weil die Musik mich berührt. Ich halte mich aber immer an klare Fakten, die im Hintergund einer Musikproduktion stehen. Keine Musikkritik ist wirklich "objektiv". Ich schreibe in meiner Kritik nicht, was allgemein über einen Künstler geschrieben oder gesagt wird. Das sogenannte Künstler-Image, welches Managment oder Presse verantworten und verbreiten, bezweifele ich oft, beobachte es hellwach und kritisch - und es beeinflusst mich hoffentlich wenig in meiner eigenen Meinung. Begriffe wie "Superstar" oder "Ausnahmekünstler" werden heute total inflationär gebraucht.

Ich höre eher genau hin, was meine Ohren vernehmen, und schreibe immer 100% meine eigene Meinung. Ich behaupte überhaupt nicht, dass das richtig sein muss. Der persönliche Geschmack spielt bei JEDEM eine große Rolle und außerdem ist es oft auch so: Kennt man den Kritiker und seinen Geschmack, kennt man die Kritik im Voraus. Ich kann die Musik nur daduch beurteilen, was ich in meinem Leben an Musik erfahren und gehört und gelernt habe. Nur sehr selten lasse ich mich zu einem krassen Veriss hinreißen, wie man sie oft gerade bei Popmusikkritiken findet. Über Musik, die mich nicht interessiert, muss ich nicht schreiben, da ich kein Berufskritiker bin. Was sollte es bringen, wenn ich über RAP oder  "Techno" schriebe?

Das Zitat von Romancier W. Somerset Maugham "KRITIKER SIND BLUTRÜNSTIGE LEUTE, DIE ES NICHT BIS ZUM HENKER GEBRACHT HABEN" trifft auf mich nicht zu!

Werner Matrisch

Meine Rezensionen sind auch auf  der  Kölner Internetseite COLOZINE  zu finden: 

http://www.koeln-news.com/author/werner