Die Rezensionen

Mein familäres Umfeld wurde seit meiner frühesten Kindheit von Musik geprägt. Mein Vater ein Klarinettist beim Theater, meine Mutter ausgebildete Konzertpianistin. Ich war als kleiner Junge viel im Hause meines Großvaters, der in meiner Heimatstadt Werl als städtischer Musikdirektor, Dirigent und Musiklehrer das kulturelle Leben mitgestaltete. Ich war eigentlich ständig von Klaviermusik umgeben. Ich kann mich erinnern, dass ich oft abends im Bett lag, und meine Mutter nebenan zum x-ten Male die schwierige Revolutionsetüde op. 10 von Chopin spielte, und gerne an einer bestimmtem Stelle hängen blieb.

Mit 15 hörte ich zum ersten Male George Shearings "Lullaby Of Birdland" gesungen von Ella Fitzgerald. Ihre unglaublich variable Stimme begleitete fortan mein Leben und prägte meinen Musikgeschmack. Viele große Stimmen des Jazz die ich lieben lernte, kamen später hinzu - aber Ella Fitzgerald blieb für mich die "Urmutter" - und Lehmeisterin in Sachen Gesang. Als großer musikalischer Gegenpol fasziniert und begeistert mich aber auch die Stimme von Barbra Streisand bereits über vier Jahrzehnte. Beide Sängerinnen sind in ihrem musikalischem Genre, ihrer qualitativen Könnerschaft meiner Meinung nach bisher unerreichte Originale!

Wenn man sich mein Rezensionen ansieht, sieht man sehr schnell, dass ich fast ausschließlich über Vokalisten schreibe - obgleich ich natürlich auch die Instrumentalmusik (besonders den Jazz) sehr liebe. Aber ich kann nicht darüber schreiben. Der Klang der menschlichen Stimme, die Vibration, die Phrasierung und Farbe, da offenbart sich für mich die menschliche Seele am
ehesten.

Shakespeare schrieb in einem seiner Dramen:
DER MUSIKALISCHE TON HAT EINEN DIREKTEN ZUGANG ZUR SEELE - ER FINDET DA SOFORT EINEN WIDERKLANG, DA DER MENSCH DIE MUSIK HAT IN SICH SELBST.

Meine Musikrezensionen sind bewußt subjektiv, und auch sehr gefühlsbetont - ich bin nicht neutral und will es auch nicht sein, weil die Musik mich berührt. Ich halte mich aber immer an klare Fakten, die im Hintergund einer Musikproduktion stehen. Keine Musikkritik ist wirklich "objektiv". Ich schreibe in meiner Kritik nicht, was allgemein über einen Künstler geschrieben oder gesagt wird. Das sogenannte Künstlerimage, welches Managment oder Presse verantworten und verbreiten, bezweifele ich oft - oder es beeinflusst mich wenig in meiner Meinung. Begriffe wie "Superstar" oder "Ausnahmekünstler" werden heute total inflationär gebraucht.

Ich höre eher genau hin, was meine Ohren vernehmen, und schreibe immer 100% meine eigene Meinung. Ich behaupte überhaupt nicht, dass das richtig sein muss. Der persönliche Geschmack spielt bei JEDEM eine große Rolle und außerdem ist es oft auch so: Kennt man den Kritiker und seinen Geschmack, kennt man die Kritik im Voraus. Ich kann die Musik nur daduch beurteilen, was ich in meinem Leben an Musik erfahren und gehört und gelernt habe. Nur sehr selten lasse ich mich zu einem krassen Veriss hinreißen, wie man sie oft gerade bei Popmusikkritiken findet. Über Musik, die mich nicht interessiert, muss ich nicht schreiben, da ich kein Berufskritiker bin. Was sollte es bringen, wenn ich über "Techno" schriebe?

Das Zitat von Romancier W. Somerset Maugham "KRITIKER SIND BLUTRÜNSTIGE LEUTE, DIE ES NICHT BIS ZUM HENKER GEBRACHT HABEN" trifft auf mich nicht zu!