Michael Bublé - Call Me Irresponsible

Solides Handwerk - diesmal leider kaum aufregend! 

bublé

Dass Michael Bublé ein großartiger Sänger ( in seinem Genre) ist, muss nicht diskutiert werden. Seit der „ersten Stunde“ war ich ein Liebhaber seiner Musik und seiner Stimme. Jetzt jedoch, mit diesem dritten Album, muss auch Michael Bublé es sich gefallen lassen, dass man ihn und seine neue CD an seinen besten Aufnahmen misst. Und die waren nun mal eindeutig besser auf seinen ersten zwei CDs. Liegt’s an den Songs, oder den Arrangements, oder an seinem stimmlichen Einsatz?????

Diese CD klingt, eingedenk dieser drei Kriterien, wie ein Bublé auf Sparflame. Keiner der gecoverten Songs erreicht annähernd die mitreißende Intensität von „Fever“ (seine erste CD) oder „Feeling Good“ und „Can’t buy me love“ ( seine zweite CD).

Die Auswahl der Songs konnte besser sein, denn in dieser Musikgattung gibt es hervorragende Songs wie "Sand am Meer“. Der Titelsong ist okay. Aber die gelungenste Aufnahme ist sicherlich seine Version des Welthits „Me and Mrs. Jones“.  Vom Arragement her hat  „It had better be tonight“ noch die schöne swingende Frische seiner ersten zwei CDs. Auch die Jazzklassiker des All American Songbook „I’ve got the world on a string  und „The best is yet to come“ gehören  zu den besseren Titeln. Aber vom Swingfaktor her,  (Arrangement  und Stimme) erreichen sie nicht mehr das Niveau seiner ersten CDs. Bei „That’s Life“ - ein toller Song bei Sinatra - wird Bublé zwar sehr schön von einem Chor begleitet, aber  hier wünscht man sich, dass er mal so richtig aus sich rausginge....doch sein Einsatz hält sich sehr in Grenzen. Jedenfalls könnte ich es mir wirklich dynamischer vorstellen!

In einer  CD-Rezensionwurde geschrieben, dass Bublé mit seiner Stimme „plötzlich explodieren“ könne. An dieser Stelle erlaube ich mir, einen Vergleich  mit unserem „sogenannten“ Swingsänger Roger Cicero anzustellen. Cicero ist ein Sänger der - so muss inzwischen bei all seinem Erfolg festgestellt werden - im Gegensatz zu Michael Bublé viel stärker polarisiert. Sein häufig stark engagierter Stimmeinsatz begeistert Viele, ist aber dennoch nicht jedermanns Sache. Man höre sich nur Ciceros gecovertes „ Tausendmal Berührt“ an. Das hat für mich viel mehr mit „plötzlich explodieren“ zu tun. Das ist leidenschaftliches Singen und  hat „Dynamic pur“ ! Bublé swingt dagegen sehr „gelassen + gediegen“. Natürlich  kann er auch wundervoll gefühlvoll singen, aber „ leidenschaftlich emotional“  - wie auch geschrieben wurde - singt er für mich nicht. Sein Vortrag ist da eher glatt und poliert hauptsächlich die Oberfläche eines Songs.

Seine neuen Eigenkompositionen sind ansprechend, aber „vom Hocker“ hauen sie einen nicht. Schlechteste Aufnahme der CD ist dagegen wirklich seine Coverversion von „Comin’ home Baby“. Was fetzig oder mitreißend sein sollte, wirkt hier in der ständigen stupiden Wiederholung nur vorhersehbar und letztendlich  enervierend.

Wenn jetzt meine negativen Urteile zu massiv wurden, möchte ich betonen, dass „Call me Irresponsible“ natürlich kein schlechtes Album ist. Aber nach Bublés ersten „Meisterwerken“ finde ich es enttäuschend. Es wirkt im Vergleich einfach stereotyp, etwas flau, und sehr beliebig.
So klingt es, wenn sich  übergroße Routine etabliert. Das ist für das erst dritte Bublé-Album eigentlich zu früh! Wenn Michael Buble´s neue CD überall in der Welt erste Plätze belegte, hat das vielleicht weniger mit dieser CD zu tun, sondern eher mit der Begeisterung für seine Vorherigen.
Solides Handwerk - aber leider nicht viel mehr.

Werner Matrisch, Köln 7.Juni 2007