Rastlos - Leidenschaftlich - Legendär

PEOPLE -  Streisand's 1. Kultalbum ! (1964)
People Cover

Dieses nun bereits zum 3. Male remasterte und mit einem tollen Bonussong ausgestattete Streisand-Kult-Album macht eine aktuelle Rezension geradezu zwingend. Der Sound wurde voller u. klarer, und der Song "I Am Woman" (nur noch auf verschollenen Singles der 60er zu haben), ist das swingende Belohnungsbonon nach den vielen, brillanten Balladen.

"People“ war Streisand's erstes Nr. 1 Album der Billboard-US Charts, und wurde mit 3 Grammy’s dekoriert:
für Best Female Vocal Performance, Best Arrangement For Vocalist, und Best Album Cover. Darüber hinaus gab es für “People“ noch 2 der wichtigsten Grammy-Nominierungen: Album Of The Year, u. Best Song Of The Year. Außerdem war das Album die Nr. 6 der US-Jahresliste 1964.

Auf "People" singt Barbra Streisand sich aus wie nie zuvor. Das betrifft das ganze Album, vom ersten bis zum letzten Ton. Gleich der erste Song: "Absend Mindet Me", macht unmissverständlich klar, was die Glocke ( oder ihre Stimme !) geschlagen hat:

Mit anhaltender Präsenz und erstaunlicher Dramatik singt sich hier eine zweiundzwanzigjährige durch alle Register. Mit durchdringender Stimmgewalt, aber auch voller Nuancierungen und Klarheit führt sie den Song zu Ende. Sie singt das Lied mit großer Lautstärke, dabei klingt ihre Stimme trotz diesem fast unausgesetztem Fortimissimo nie "überschrieen", bisweilen durchaus stählern, aber immer sicher und souverän.

Dieses Stimmpotential ist ungewöhnlich und unglaublich. Besonders deutlich wird das bei Songs wie :"Suppertime", "My Lord And Master" und dem schmerzbewegtem „Autumn“. Bei "Suppertime" überschlägt sich Streisands Stimme fast vor Leidenschaft. Man fragt sich unwillkürlich: wie weit kann sie mit ihrer Stimme noch gehen? Wie lange hält sie das durch?

Es ist genau DAS, was der Romancier u. Musical -Librettist Jerome Weidmann meinte, als er Barbra's Version von „Happy Days.." zum ersten Male hörte. Er schwelgte: "Es schlug mir die Ohren ab! "

"People" war das erste Streisandalbum, welches in Deutschland wirklich populär wurde und Erfolg hatte. Sie galt 1965 als schrille „ häßliche“ Newcomerin ! Die neue Platte mit dem ungewöhnlichem Cover ( Streisand, nur von hinten zu sehen, am menschenleeren Strand ) lag in vielen Plattengeschäften im Fenster.

Trotz der anderen großartigen Film -oder Liverversionen gefällt mir diese Albumversion von dem Titelsong "People" am besten. Ich finde sie ist wirklich die ( man verzeihe mir das inzwischen abgedroschene Wort)  ultimative Version, und sicher deswegen auch auf allen Streisandsamplern zu finden.
Ihre Stimme ist hier an Klarheit u. Schönheit unübertroffen. Und das finden wohl auch viele Mitarbeiter von Rundfunkstationen. Denn bis heute wird dieser Songklassiker (neben „Woman In Love) immer wieder gerne im Radio gespielt, ( wenn sich überhaupt mal ein Streisandsong im Rundfunk  verirrt. Zum Sound bleibt noch zu sagen:

Natürlich ist es eine 60ziger-Jahre-CD, und wie damals die Soundabmischung üblich war, ist die Stimme im absoluten" Vordergrund. Das hat sich auch Gott-sei-Dank nicht auf dieser schön remasterten Version geändert. Aber bei den stark rhythmischen Titeln ( hinreißend: Love Is The Bore ) ist auch das Orchester mit südamerikanischem "TSchingderassa" stark präsent. Ansonsten ist das ganze Album NUR STIMME,  nur STREISAND PUR

Manch einer mag das heute nervig finden, denn der Background der meisten Popsänger ist heute dominierender als ihre ( oft kümmerlichen) Stimmen. Umdenken in Hörgewohnheiten ist hier angesagt! Hört man die CD „People“ nur sehr leise, könnte es fast "a capella" sein, so zurückhaltend ist bei manchen Songs das Orchester. Aber gerade deswegen wird hier schnell klar, welch ein Präzisionsinstrument Streisand's Stimme schon damals, auf ihrem 4. Soloalbum war.

Bester dramatischer Song: Suppertime, bestes Liebeslied für alle Zeiten: People

Auf dieser CD gibt es keinen schlechten, oder laschen Song. Streisand ist mit Leib und Seele dabei, voll von dem dämonischem Ergeiz ihrer frühen Jahre getrieben. Rastlos und inbrünstig, aber auch zart und in ihrer Leidenschaft verletzlich.

Hört man sich diese Songs mit wirklicher Zuwendung an, versteht man, dass die Entdeckung der „Barbra Streisand“ in den frühen Sechzigern eine Sensation war.

Fünf Sterne für dieses legendäre Frühwerk!

(c) Werner Matrisch, Köln 2006