Roger Cicero - Beziehungsweise - die DVD !
POWER & KREATIVITÄT = MUSIKALISCHER HOCHGENUSS !
Wenn man Roger Ciceros neue DVD "Beziehungsweise Live" einlegt, sieht man sehr bald, dass sie noch professioneller gemacht ist als seine "Männersachen-Live" DVD. Das Konzert, aus dem Berliner Tempodrom, wurde mit mehreren Kameras aufwändig gefilmt. Die Schnitte sind schnell und dynamisch, der Kamera-Fokus fängt rasant alle Details der Musik ein. Sicher ist auch das Bühnenoutfit effektvoller inszeniert. ( Showtreppe, hochformatige Videowände, tolle Lichtregie,) Die gesamte Lichtinstallation, bzw. Beleuchtungsregie bezieht sich in raffinierter Weise auf die jeweiligen Lieder, und unterstützen diese sinnvoll in ihrer Wirkung. Auch die Einrichtung der kleinen "Showtreppe" hat ihre Wirkung, selbst wenn Cicero nur auf den Stufen sitzt, und eine Ballade singt.
Da das Song-Repertoire von "Beziehungsweise-Live " sehr vielseitig ist,
( Swing, Jazz, Pop, Salsa, Samba, Blues und Ballade) und zusätzlich auch noch die Highlights vom Männersachen-Album im Programm integriert wurden, konnte hier nichts schief gehen! Sowohl Cicero als auch seine Band beeindrucken auf dieser DVD mit einer noch größeren Bandbreite all ihrer künstlerischen Fähigkeiten für diverse Musikrichtungen. R
Roger Cicero ist gesanglich noch sicherer geworden, ohne dass durch Routine seine Vorstellung langweilig oder vorhersehbar würde. Immer wieder wandelt er seine bekannten Songs mit kleinen Improvisationen; Ausdruck seiner großen Musikalität. Zudem hat er sich auch in seiner rein optischen Performance und seinem Verhalten zum Publikum als guter Entertainer) perfektioniert. (Livekonzerte en masse - Übung macht immer noch den Meister!)
Was kann man über ein Konzert besseres sagen als dies: Jeder, und ich meine wirklich JEDER der gespielten Songs ist musikalisch interessanter als die Studioversionen der CDs. Und das macht Spass. Roger Cicero und seine Big Band erhöhen in ihren Konzerten auch stark den "Jazzfaktor", in dem die Songs durch länger eingespielte Solos der Musiker erweitert werden. Da hat man den Eindruck, dass Roger und seine Mitstreiter sich ihr Publikum gut dosiert, mehr und mehr zum Jazz "erziehen". (Obwohl er im Interview auf dieser DVD sagt, dass sie nicht wirklich "Jazz" machen!) Zu hören bleibt aber immer, dass Cicero und seine Band alle vom "Jazz" kommen.
So wird jeder Song noch einmal veredelt, um das Optimale aus ihm heraus zu holen. Nach wie vor zieht Cicero sein Publikum in den Bann durch seine eigene tiefsitzende Begeisterung für die Musik, - für unbändigen Swing, Drive und Rhythmus! Er reißt uns alle in diesen vital-virtuosen Soundstrudel, in dem seine grandiose Band ihm ebenbürtig ist. Die ist so verdammt gut, dass ein Kritiker schrieb, sie stehle Roger Cicero die Show! So weit würde ich nicht gehen, aber dass sie sich abwechselnd die "Show stehlen", - ja das kommt vor! Nicht nur Cicero, auch seine hervorragenden Solisten bekommen auffallend viel Applaus.
Ein gutes Beispiel dafür ist Bandleader, Arrangeur und Pianist Lutz Krajenski. Beim furiosen Instrumentalteil von " "Das Experiment"" schleicht er sich tänzelnd wie ein kleiner Kobold auf seine Hammondorgel zu und setzt sie dann mit satanischem Grinsen in Brand. Seine elektrisierenden Orgeltöne durchschauern den Körper von den Haarspitzen bis zum großen Zeh! Und der Sound ist perfekt, man kann in ihm baden, - der ist nicht mehr steigerungsfähig!
Erwähnen möchte ich auch das bestens getimte Solo vom Bassisten Hervé Jeanne. Bevor Rogers Hit, ( O-Ton Roger: ..mit dem alles anfing), "Zieh die Schuh aus", ansetzt, bringen Hervé und Roger dann ein herrlich ungewöhnliches und eindeutiges " "Jazzduett"" Auch Matthias Meusel hat wieder sein langes und mitreißendes Solo bei "Wenn sie dich fragt".
Noch ein Wörtchen zu Grönemeyers ""Männer"". Ich finde Roger Cicero's Version fantastisch. Das neue Arrangement von Lutz Krajenski ist umwerfend. Ein völlig neuer Song wurde kreiert. Es ist einer der jazzigsten Songs des Konzertes. Es groovt und swingt wie der Teufel, wechselnde Rhythmen, halsbrecherisch und von aufpeitschender Power. Sinnlos, nach Grönemeyers Version zu suchen oder nur daran zu denken... Das ist Big-Band-Jazz Pur!
Wenn das Konzert im zweiten Teil an Intensität und Vielschichtigkeit zunimmt, und jeder Song ein Highlight für sich ist, da geht das Berliner Publikum doch ganz schön aus sich heraus. Rogers "Medley-Zugaben" am Ende zünden dann wie eine Explosion. Auf der Bühne geballte Energie ohne Ende. Bei Cicero kann man nur staunen über seine während ca. Zweieinhalbstunden nicht nachlassende Power, und seine musikalische Perfektion. Er singt mit soviel Engagement, als wäre es sein letztes Konzert!
An Extras enthält die DVD Backstage-Notizen, ein interessantes Interview in dem auch Musiker zu Wort kommen, und zwei Videos. Das Video "Wovon träumst du nachts?" beeindruckt durch seine künstlerische Gestaltung.
(c) Werner Matrisch, Köln 2008