Das Aachener Konzert - 7. März 2008
Roger Cicero & Big Band "BEZIEHUNGSWEISE LIVE"
Die Songs klingen live besser als die Studioversionen.

Alles was ich in meinen früheren Rezensionen speziell zu Ciceros Stimme und Gesang geschrieben habe, hat sich natürlich auch im Aachener Konzert 2008 bestätigt. Ich fand seinen Gesang sogar noch energiegeladener und engagierter, als während der „Männersachen“ Tour.(2007) Er hat mit solch einem Einsatz gesungen, als wäre es sein LETZTES Konzert.
Beim Signieren sagte ich zu Roger mit verstellt ernster Miene: „ ich war heute sehr zufrieden mit dir! “ woraufhin er amüsiert lachte und meinte so was in der Richtung wie: „ Oh, da geht noch mehr“!
Was kann man über ein Konzert besseres sagen als dies: Jeder, und ich meine wirklich JEDER der gespielten Songs war besser als die Studioversionen der CDs.( die ja nun wahrlich nicht schlecht sind!) Die Arrangements sind in ihrer Liveversion oft verändert, und erweitert zu Gunsten des Jazzfaktors und der häufigen Soli. So wurde jeder Song noch einmal veredelt, um das Optimale aus ihm heraus zu holen. Und so sei es !
Die Männersachen Tour, so gut wie sie war, ist getoppt. Das neue Programm ist musikalisch erstens vielseitiger. So kann sowohl die Band wie Roger mit einer noch größeren Bandbreite all ihrer künstlerischen Fähigkeiten für diverse Musikrichtungen beeindrucken.
Zweitens ist die gesamte Lichtinstallation, bzw. Beleuchtungsregie raffinierter auf die jeweiligen Titel bezogen, und unterstützen diese sinnvoll in ihrer Wirkung. Auch die Einrichtung eine kleinen „ Showtreppe“ hat ihren Effekt, selbst wenn Roger nur auf den Stufen sitzt, und eine Ballade singt.
Drittens: Rogers Auftritt ist durch die große Sicherheit ( inklusive einiger Tanzschritte ) noch überzeugender geworden. Seine großartige Stimme hat er schon lange, aber diese unendlich vielen Konzerte der letzten 12 Monate wirken wie ein Training, welches in einer Art Perfektion gipfelt, aber Routine noch nicht spüren laßt.
Nach wie vor zieht er sein Publikum in den Bann durch seine eigene tiefsitzende Begeisterung für die Musik, - für den unbändigen Swing, Drive und Rhythmus! Er reißt uns alle in diesen vitalen und virtuosen Soundstrudel, in dem seine grandiose Band ihm ebenbürtig ist. Die ist so verdammt gut, dass ein Kritiker schrieb, sie stehle Roger Cicero die Show! So weit würde ich nicht gehen, aber dass sie sich „ abwechselnd“ die Show stehlen, ja dass kommt vor! Fazit: besser geht’s nicht!
Grönemeyers „Männer“ in der Version von Cicero groovt und swingt wie der Teufel ,- wechselnde Rhythmen, halsbrecherisch und von aufpeitschender Power. Es war möglicherweise der jazzigste Song des Konzertes. . Das war Big-Band-jazz Jazz pPur! ( wie ich es besonders liebe) .
Das Konzert mit „Die Liste zu starten, ist gut gewählt. Wie gut der Titel ist, hört man am ehesten „ live“, weil der volle Sound einer Big Band eben live am besten klingt und bei dem Song ist sie unausgesetzt im Einsatz! So kann man den Song eben doch nicht zu hause im Wohnzimmer hören.....
Zu meinen persönlichen Highlights des Abends gehören:
„Das Experiment“ ( wie könnte es anders sein, bei diesem langen und überschäumenden Instrumentalteil: Lutz schafft uns alle mit seiner Hammond-Orgel!
„Männer“, "Nimm deinen Kerl zurück“ „Ich hätt’ so gern noch Tschüß gesagt“ ( wer hier nicht von Rogers Gesang überzeugt, ist, dem ist nicht zu helfen). Das gleiche gilt für den Prince Titel: "How come U don't call me anymore" .!!!! „Wenn sie dich fragt“ ( immer wieder mitreißend, und Matthias hat sein bombiges Solo!) „Mein guter Stern auf allen Wegen“ , und das Duett mit Bassisten Hervé Jeanne , welches quasi Cicero's Superhit "Zieh die Schuh aus" einleitet, ( mit Scatgesang und improvisiertem Text.)
Die Soundqualität im Aachener Konzert war übrigens hervorragend - bei manchen Songs oder Songpassagen für „meine Ohren“ sogar von traumhafter Qualität.
Großen Dank an dieser Stelle an Roger und seine Band!!! Es war ein wunderbares Konzert, und vielleicht habt ihr Euch besonders angestrengt, weil es vom WDR aufgenommen wurde???
Werner Matrisch, Köln März 2008