Tom Gaebel - Super produziertes Album mit interessanten Aspekten

CD : Don't Wanna Dance ( erschienen November 2008)

tom gaebel dont wanna dance

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch wenn die Ankündigungen und Besprechungen zu Tom Gaebels neuer CD überaus positiv sind, sollte nicht vergessen werden, dass bereits seine vorherige CD „Good Life“ (2007) ähnlich gute Qualitäten aufweist. Damit soll nur bemerkt werden, dass Tom auf „Don’t wanna Dance“ nicht grundsätzlich neue Wege beschreitet - bis auf wenige Ausnahmen! Sicher, die Arrangements sind diesmal etwas mehr am Pop der 60er und 70er orientiert - die Drums & Percussions klingen prägnanter - jedoch Soul und der damit verbundene Motown-Sound ist nur ansatzweise, oder nur sehr zaghaft zu hören - wenn man will. Die CD ist jedoch super gut produziert und überrascht mit interessanten Aspekten.

So ist „Don’t wanna dance“ ein perfektes „Easy-Listening“-Album, mit blendend guten Arrangements, einem guten Sänger und einem Big-Band-Sound, der leichtfüßig zwischen Pop und Jazz pendelt. Tom Gaebel erweist sich mit seinem Gespür für stimmig-schöne Melodien abermals als talentierter Songschreiber. Zehn neue Songs komponierte er allein oder mit seinem Bruder Dennis – und nur drei Titel sind von anderen Komponisten.

Von diesen drei „geliehenen“ Songs lassen besonders die ungewöhnlichen Coverversionen von Nina Simones „My Baby just cares for me“ und der Monsterhit der Rolling Stones, „Satisfaction“, aufhorchen. Der vielleicht populärste Song der großen Nina Simone (1933 – 2003) wurde von Gaebel durch ein für diesen Song recht ungewöhnliches Cha-Cha-Cha-Korsett sozusagen „entswingt“. Stark rhythmusbetont und erst recht tanzbar ist der Song immer noch. Da dieser Titel schon unzählige Male gecovert wurde, freut man sich über dieses völlig neue Soundgewand.

Mit Tom Gaebels Stones-Cover „Satisfaction“ erleben wir den wichtigsten und innovativen Beitrag seiner aktuellen CD. Einen der typischsten Rock –und Revolutionssongs der Sixties verwandelt Gaebel souverän zu einer robusten „Jive & Big-Band-Swingnummer“. Geballte Bläser, die Hammond B3, heftige Drums und ein E-Gitarrensolo fetzen schräg und unbekümmert im Superdrive. Was Roger Cicero mit seinem umwerfend „basieverswingtem “ Grönemeyer-Cover „Männer“ (nur auf der DVD „Beziehungsweise“ zu hören), angestellt hat, gelingt jetzt Tom Gaebel mit „Satisfaction“ auf ähnlich mitreißendem Level.

Mit Verve zeigt Tom hier, dass er mal seinen „Sinatra-Touch“ ganz schön impulsiv zur Seite schieben kann. Dieser etwas „agressivere“ Sound steht ihm sehr gut, und ich hätte gerne mehr davon gehört auf dieser CD. Unlängst wagte er Ähnliches bereits mit seinem ACDC-Cover „Highway To Hell“, welches zusammen mit der famosen „Jazzkantine“ einspielt wurde. Das wäre übrigens ein toller Bonus für das neue Album gewesen. Auch mit dem Opener „Crazy“ ist Tom ein Knaller gelungen, der mit seinem Sound an klangrabiate Stücke von Tom Jones erinnert.

Fabelhafte eigene Songs sind Tom Gaebel auch diesmal wieder geglückt. War auf seiner letzten CD der Titel „Catch me if you can“ ein Supersong, so imponiert mir jetzt besonders “Fool for your love”. Ich kann mir keinen anderen Song vorstellen, in dem Tom Gaebel musikalisch mehr “bei sich zuhause ist”. Er hat sich das Stück buchstäblich lotgerecht auf den Leib komponiert. Superlässig, elegant, fingersnapping, sinatra-esk-swingend und letztlich 100% ein Tom Gaebel - auch wenn Gaebels Motivation solche Musik zu schreiben, ganz klar aus Frank Sinatras bester Zeit, den frühen Sechzigern, herrührt. Eben! Die besten Vorbilder sind gerade gut genug. Und die Resultate seines Nacheiferns oder seiner Orientierung können sich hören lassen, weil sie zunehmend von einer eigenständigen Qualität sind. Tom-Gaebel- Musik entwickelt sich zum Markenzeichen.

Ein schickes Video wurde zum hitverdächtigsten Song „Easy“ gedreht. Das schwebend leichte und gleichermaßen harmloshübsche „Easy“ zeigt erstens, dass niemand so herrliche „Gute-Laune-Songs schreiben kann, wie Tom Gaebel, und zweitens, dass diese Songs mit ihrer raffinierten Einfachheit mehr als nur „Tra-la-la-Liedchen“ sind. Und obwohl man immer das Gefühl hat, diesen Song, der ja brandneu ist, schon zu kennen, hat er eine musikalische Sogwirkung, der man sich gerne hingibt.

Eine andere Stärke von Tom Gaebel sind Balladen wie z. B. „Almost There“, in denen seine warme Baritonstimme voll zur Geltung kommt. Diese Stimme umfasst ein erstaunliches Register und besonders seine tiefsten Noten sind perfekt und sehr prägnant – man traut sie dem fast jungenhaft wirkenden Gaebel kaum zu.

„People are People“ ist eine sanft swingende Nummer, die durch die harmonischen Bläsersätze und einer Trompete, die sich unaufdringlich aus dem Song stiehlt, einen höheren Jazzschub erhält. In vielen anderen Songs, z.B. „Easy Life“ oder dem schwungvollen, auch jazzakzentuiertem „Up And Alive“, zeigt Tom Gaebel, wie versiert er diese sich immer ähnelnden, melodisch- swingenden Harmonien variieren kann.

Beim letzten, angenehm besinnlichen Song „Long Way Home“ lässt Tom die kompakte Big -Band-Begleitung zur Seite und wird ganz schlicht vom Klavier begleitet. Ein schöner, ruhiger Schlusspunkt für ein vortreffliches Album.

Werner Matrisch, Köln 25.November 2008