Werner Matrisch

Geboren am 26. März 1945 in Werl, Deutschland.

Studium der Malerei an der Essener Folkwangschule bei Professor  Schardt.

Ab 1966 -1980 angestellt im Bonner Mineralienkontor Dr. F. Krantz als Lehrmittelmaler. Landkarten, geologische Modelle, Duplikate von Fossilien und  prähistorischen Schädelfunden wurden von mir nach den Originalen bemalt. Meistgemaltes meiner Objekte war der berühmte Urvogel: "Archaeopteryx"

Ab 1981 bis 2007 war ich im Kölnischen Kunstverein als Hänge- und Ausstellungsmeister tätig, verwaltete Kunsteditionen und regelte den Verkauf der sogenannten Jahresgaben  (Grafiken, Skulpuren, Unikate usw.) an die Vereinsmitglieder.

Seit Mitter der 70er Jahre  unternehme ich Reisen in den Vorderen Orient. Prägende Aufenthalte in Griechenland, Israel, Jordanien, Marokko, Tunesien und Ägypten.
Ich lebe und arbeite in Köln.

Die Biographie

Ein sehr persönlicher Bericht

Viele Künstler können sehr gut beschreiben, warum sie malen, oder was die Malerei ihnen bedeutet. Da ich seit meiner Kindheit bis zum jetzigen Zeitpunkt kontinuierlich male, liegt darin wohl für mich eine Unbedingtheit und Wichtigkeit. Trotzdem habe ich da eher Schwierigkeiten, konkret erklärende Auskünfte darüber zu geben - nicht "WIE" ich male - sondern warum ich malen "muss". Meine Malerei - besonders die der letzten zehn Jahre - scheint zunächst in keiner Weise Umwelt, Zeitgeschehen, politische Ereignisse oder allgemein menschliche Geschicke zu reflektieren oder zu thematisieren. Dabei sehe ich mich keineswegs als unpolitischen Menschen. Gerade die zur Zeit besonders aktuelle Islamdiskussion interessiert und beschäftigt mich als häufiger Orientreisender und Orientliebhaber sehr.

An den Bildern, die ich in den 1960ern als Jugendlicher malte, sieht man recht gut, was alles auf mich einstürmte, was mich beeinflusste und beeindruckte. Eine wirre Vielfalt von Stilen, Maltechniken und Themen bezeugen ein Suchen nach Werten und Inhalten.

Manche von diesen Bilden habe ich mit sechzehn Jahren gemalt und sicher sind da einige Arbeiten dabei, die ich hier in der 60er Jahre Galerie nicht zeigen müsste. Aber zeigt nicht gerade die Gegensätzlichkeit von guten und weniger guten Bildern sehr gut meine ersten künstlerischen Auseinandersetzungen? Viele von diesen Bildern waren den damaligen Dozenten der Folkwangschule vorgelegt (1964) und ich wurde daraufhin für die dreitägigen Aufnahmeprüfung als talentiert oder " würdig" genug befunden.

Meine Malerei der 70er Jahre wird stark vom Surrealismus und Einflüssen der Phantastischen Malerei dominiert. Viele diese Bilder lassen leicht erahnen, dass ich von den surrealen und verrückten Bilderwelten des René Magritte wie gebannt war. Sein Einfluss verstärkt sich sogar noch in meinen Bildern der 80er Jahre, aber da geordneter. Ich war auch immer ein Träumer mit Sehnsüchten nach fremden, geheimnisvollen und gänzlich anderen Welten, als die, die ich kannte.

In den 80er Jahren werden meine Bilder strenger und klarer. Sie sind nicht mehr vollgemalt mit ungezügelter Phantasie sondern konkretisieren sich auf ein Thema. Architektonische Elemente und geometrische Formen tauchen immer öfter in meiner Malerei auf. Der Konstruktivismus beginnt mich mit seinen scharfen Linien und Formen stark zu interessieren. Spätere Bilder der 80er zeigen meine phantastisch-naturalistische Malerei abstrahierter und auch völlig abstrakte oder konstruktive Bilder entstehen. Gleichzeitig beinhaltet meine Malerei aber weiterhin eine Hang zur romantischen Idealisierung. Der gemalte Himmel, die Weite und eine immer stärkere Reduzierung des Figurativen in meinen Bildern, könnten auch ein Wunsch nach einer einfachen, klaren, schönen und unkomplizierten Welt verdeutlichen, in der alles überschaubar ist - in der wohltuende Ruhe und Sicherheit und Beständigket herrscht. Vielleicht erklärt sich hier auch die immer häufigere Abwesenheit des Menschen in meinen Bildern. Ich habe durchaus kein negatives Menschenbild - aber mit den Menschen beginnen die Probleme.

Erst in den 80er Jahren beschäftige ich mich mit dem Maler Caspar David Friedrich. Ich lese über sein Leben und manche seiner Bilder beeindrucken mich in so ungeheuerlicher Weise, dass ich glaube eine Art von Seelenverwandschaft zu spüren. Um zu verdeutlichen, wie ich das meine, möchte ich als Gegenpol und erklärendes Beispiel den Maler Francis Bacon erwähnen, dessen künstlerisches Können ich wirklich bewundern kann, dessen Bilder und Inhalte ich verstehe - die mir aber völlig wesensfremd sind und ein gewisses Unbehagen in mir auslösen. Wenn ein Maler mit seinem Werk "Unbehagen" und Irritationen auslöst, wenn seine Bilder "verstören", um mal ein schon inflationär bemühtes Adjektiv zu benutzen, dann weiß jeder Kunstinteressierte, das ist etwas Gutes, Positives. Dieses "Verstörende" zeigt den Künstler der etwas " hinterfragt" und scheinbar Gegebenes neu einordnet und bewertet - all das unterstreicht die Wichtigkeit des betreffendes Künstlers. Das hat die Kunstkritik in den Feuilletons allen Kulturschaffenden, Galeristen oder Kunstsammlern so adäquat und kompetent gelehrt, dass offensichtlich nur noch das "Verstörende " in der Kunst Relevanz zu haben scheint.

Es gibt unendlich viele Kriterien zur Kunst und jede hat ihren Sinn in der Diskussion um Kunst. Kein Kriterim sollte ausgegrenzt werden. Begrenzt oder unerwähnt oder gerne belächelt wird jedoch zunehmend das Kriterium der Ästhetik und der Schönheit in der Kunst. Ein nur "schönes" Bild hat in der heutigen Kunstkritik keinen Wert, keine Bedeutung - wird schnell als "leer" abgehandelt. Eine Betrachung darüber unterscheidet sich von Mensch zu Mensch - was der eine vielleicht beeindruckend schön und wert findet, ist für den anderen bloß dekorativ und nichts weiter. Ich hatte vor einiger Zeit zu diesem Thema einen sehr interessanten Artikel gelesen, an dessen Autor ich mich leider nicht erinnern kann. Aber er hatte sehr kluge Überlegungen zu diesem Thema, und sein Schlüsselsatz lautete:

"Wir brauchen mehr Toleranz für Schönheit"

Dass so ein Satz überhaupt gedacht und geäußert wird, scheint mir ein Indiz für heute und die heutige Kunst zu sein. Ich beobachte in der Kunstszene, dass "schöne" Kunst es schwer hat mit ihrer Daseinsberechtigung und Anerkennung. Stellt sie doch erst einmal so gar keinen Reiz oder Anforderungen an den Intellekt Geist, der gerne schwierige Bilder enträtselt und analysiert und dann dieser Kunst eminent wichtige Eigenschaften und Inhalte zuordnet, über die der Künstler später nicht selten selbst erstaunt ist. Die neuen Erkenntnisse werden dann in einer kompetent-kunsttheoretisch erklärenden Interpretation in den Medien dem kunstinteressierten Publikum vorgelegt. Klar, dassso besprochene Kunstwerke sofort auf hoher Ebene angesiedelt sind. Das kann so richtig sein und ich habe überhaupt nichts gegen anklagende, verstörende, ironisch-überhöhte, kritische, politische, allgemein gegenwartsbezogene oder auch gänzlich unverständliche Kunstwerke. Aber eine gegensätzliche, anscheinend "einfache" Kunst, in der offensichtlich das klare Moment von Schönheit und Ästhetik vordergründig ist - die auf einen Blick schnell erfasst wird - hinter der keine komplexen Daseinsstrukturen oder irritierende Transformationen verborgen sind - solche " einfachen " Kunstwerke sollten auch beachtet werden und geschätzt werden.

Alles was ich sagen will ist, dass eine Kunst den Menschen viel geben kann, auch wenn sie nicht von einer "beispiellosen Radikalität" ist - um zum letzten Male hier einen Begriff zu zitieren, der nur ein Schlagwort ist und darauf abzielt, zu bestimmen, was heute in der Kunstszene Relevanz und Beachtung verdient.

Etwa ab Mitte der 90er Jahre wurden die beruflichen Anforderungen im Kölnischen Kunstverein für mich immer größer und ich pausierte mit meiner Malerei für einige Jahre. Vielleicht brauchte ich auch mal so eine Auszeit. So gibt es hier in meinem Portfolio keine Galerie: Malerei der 90er Jahre. Allerdings machte ich mich in dieser Zeit mit dem Computer vertraut und daraus resultieren zum einen meine PC-Grafiken und zum anderen begann ich auch Musikrezensionen zu schreiben, was mir am PC viel leichter von der Hand ging. Auch in den 90er Jahren unternahm ich meine Reisen, die mich wieder nach Ägypten und Israel führten und auch zum ersten Male nach Jordanien. Viele gute Fotos, (noch keine digitalen sondern Dias) sind auch da entstanden - die besten werde ich hier nach und nach zeigen.

Ich wußte immer, dass ich irgendwann wieder malen würde. Ich hatte mir zum Ziel gesetzt, an meinem 60. Geburtstag ( 2005) bei mir zu Hause eine kleine Ausstellung mit ganz neuen Bildern zu machen. Im Jahre 2004 begann ich also wieder zu malen. Ich merkte, dass ich keinerlei Lust verspürte

Gegenständliches zu malen. Ich wollte mich nur der Farbe und meiner Stimmung hingeben. Ich begann mit der Farbe,die früher jahrelang meine Lieblingsfarbe war. Blau. Wenn ich ein blaues Bild malte, konnte nichts schief gehen Das war meine Farbe. Ich liebte sie - und „Blau" liebte offensichtlich mich, denn in vielen meiner besten Bilder ist leuchtendes BLAU vorherrschend. Dieses erste Bild nach vielen Jahren war mir wertvoll - aber es fand 2008 in einer Ausstellung einen Käufer - und das gefiel mir.

Am Anfang dieses sehr persönlichen Berichtes beschrieb ich, was meine Malerei der letzten Jahre NICHT ist - oder nicht zeigt oder nicht beinhaltet. Aber das ist vielleicht nur meine eigene Vorstellung. Andere sehen mein Bilder mit anderen Augen, nehmen Farben und Formen ganz anders auf. Farben empfinden die Menschen sehr sensibel und unterschiedlich - vergleichbar mit dem Klang der Musik. Darin liegt auch ein großer Reiz. Jeder Mensch hat seine innere Frequenz und wenn er einen Widerhall spürt, könnte man diesem Moment lang von einem Gefühl des Glücks sprechen.

Was meine jetzige Malerei zeigt, oder "meint" wird für mich immer schwieriger zu beschreiben. Abstraktion und Reduktion meiner romantisch vorgestellten Landschaften, ganz freie Malerei, manchmal auch eine Rückkehr zu den strengen architektonischen Formen vor freiem Himmel, - all das interessiert mich je nach Stimmungslage. Die reine Farbgebung, ihre Ausstrahlung und Wirkung ist mir im Moment das Wichtigste in der Malerei. Ich habe manchmal überhaupt kein Thema, will keins haben, sondern lasse mich nur leiten nach meinem augenblicklichen Temperament.

Da sind Dinge im Unterbewußtsein, die man nicht beinflussen oder abschätzen kann - die aber eine Kraft haben, und die sich irgendwann in der realen Welt manifestieren. Es etwas geheimnisvolles mit der Malerei oder der Kunst und ihrem Entstehen: - die Leinwand ist leer und weiß.... und einige Zeit später ist dort etwas entstanden - wie aus dem Nichts (?) Wenn man so themenfrei malt, kann es sehr spannend und auch risikoreich sein, zu beobachten, wie das Bild eine Eigengesetztlichkeit entwickelt. Plötzlich führt es sein eigenes, gerade gewonnenes Leben. Sind das die " echten" Bilder? Man kann und sollte lenken, je nach seiner künstlerischen Erfahrung. Natürlich lernt man nie aus. Dieser Arbeitsprozess ist spannend und gestaltet sich für mich eher wie ein Spiel, bei dem der Maler die Macht hat, es zu beenden, oder es weiter zu treiben. Es ist schön, etwas zu erschaffen. Das Gefühl der Freiheit, die ich beim Malen empfinde, ist ein sehr gutes Gefühl. Das könnte mit ein Grund sein, warum ich male.

Hier habe ich unter anderem bereits ausgestellt

  • Rathaus Bonn-Beuel, 1968
  • Stuttgart, Galerie Schneiders 1973
  • Köln,Kleines Atelier, Köln 1976
  • Köln,Kleines Atelier 1977
  • Rathaus Puhlheim 1982
  • Köln, Theater im Vringsveedel, 1984
  • Brühl, Informationszenrum 1984
  • Köln, Holweider Schul- und Kulturwoche 1984
  • Köln, Galerie Glockengasse 1986
  • Hotel Interconti, Köln 1991
  • Kleine Galerie -Altstadt Köln 1994
  • Dinslaken 2006
  • Köln, Feuerwache 2008